praktikumsstellen.de Ratgeber Wartesemester: Zwischen Abitur und Studium

Wartesemester: Zwischen Abitur und Studium

Wartesemester: Zwischen Abitur und Studium
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Inhalt:
  1. Wartesemester: Was bedeutet das?
  2. Warum gibt es Wartesemester vor einem Studium?
  3. Was wird als Wartesemester anerkannt?
  4. Wie werden deine Wartesemester angerechnet?
  5. Wartesemester führen zum Wunschstudium
    1. Wartesemester bei zulassungsbeschränkte Studiengänge 
    2. Zulassungsbeschränkte Studiengänge in Deutschland:
  6. Was ist der Numerus Clausus?
    1. Vergabe der Studienplätze nach Durchschnittsnote im Abi
    2. Abinote entscheidet über Studienplatz
    3. In welcher Abhängigkeit steht der NC?
  7. Studienplatzvergabe: Welche Kriterien nehmen Einfluss?
    1. Abiturdurchschnittsnote
    2. Wartesemester
    3. Freie Vergabe der Hochschule
  8. Wie viele Wartesemester sind für das Studium notwendig?
  9. Praktikum und Co: Die Wartezeit sinnvoll nutzen
  10. Warten auf das Studium: Sind Wartesemester sinnvoll?

Nach dem Abitur direkt das Studium beginnen: Für viele Abiturienten ist das nicht möglich und es heißt warten. Der Grund für Wartesemester ist oft die Abschlussnote und ein hoher Numerus Clausus. Trotzdem bewerben sich etliche Abiturienten auf diese beliebten zulassungsbeschränkten Studiengänge. Hinter den Wartesemestern verbirgt sich ein bestimmtes Konzept, was jedem Abiturienten eine Chance auf den Studiengang ermöglichen soll. 

Wartesemester: Was bedeutet das?

Die Zeit zwischen deinem Abitur und dem tatsächlichen Beginn des Studiums wird als Wartesemester bezeichnet. Es handelt sich bei den Wartesemestern um die Semester, in denen du nach deinem Abitur nicht an einer deutschen Hochschule eingeschrieben bist. Mithilfe von Wartesemestern kannst du deine Chance auf einen zulassungsbeschränkten Studiengang verbessern

Einige junge Menschen entscheiden sich bewusst für ein Wartesemester, anderen Abiturienten bleibt aufgrund der Bewerberanzahl und des hohen Numerus Clausus (NC) der direkte Zugang zum Studium verwehrt. 

Warum gibt es Wartesemester vor einem Studium?

Selten können Abiturienten in Deutschland direkt nach ihrer Schulzeit mit ihrem Wunschstudium beginnen. Dafür kann es unterschiedliche Gründe geben, doch oft sind zulassungsbeschränkte Studiengänge an den deutschen Universitäten und Fachhochschulen der Grund für die Wartezeit. Nicht jeder Bewerber kann einen Platz bekommen.

Die Universitäten haben eine begrenzte Kapazität an Studienplätzen und können nicht jeden potenziellen Studenten annehmen. Besonders bei den beliebten Studiengängen, wie zum Beispiel das Medizin Studium, gibt es viel mehr Bewerber als freie Studienplätze

Was wird als Wartesemester anerkannt?

Als Wartesemester werden alle Aktivitäten anerkennt, die nicht einem sogenannten Parkstudium gleichen. Bist du während der Wartezeit an einer deutschen Hochschule eingeschrieben, gilt das als Parkstudium und dir können keine Wartesemester angerechnet werden.

Diese Weiterbildungen sind im Wartesemester erlaubt:

  • Ausbildung
  • Praktikum
  • Jobben, um Geld für das Studium zu verdienen
  • Freiwilligendienst z. B. FSJ oder FÖJ
  • Bundesfreiwilligendienst

Wie werden deine Wartesemester angerechnet?

Du musst dich nicht selbst um die Anrechnung deiner Wartesemester kümmern. Die Wartesemester werden automatisch berechnet, als Orientierung dient das Abiturdatum. Mit deiner Bewerbung für den Studienplatz übermittelst du der Hochschule dein Abiturzeugnis und die Wartezeit beginnt vollkommen automatisch.

Wartesemester führen zum Wunschstudium

Für einige Studiengänge gibt es strenge Zulassungsbeschränkungen und bestimmte Voraussetzungen. Meistens handelt es sich um die beliebten Studiengänge, welche eine hohe Anfrage und nicht ausreichend Plätze haben. Deshalb gibt es Kriterien, mit welchen die Bewerber aussortiert werden. So können die Abschlussnote im Abitur, bestimmte Sprachkenntnisse oder praktische Erfahrungen eine wichtige Rolle für die Vergabe eines Studiumplatzes spielen. An wen ein freier Studiengang geht, hängt überwiegend mit der Abiturnote aber auch mit den Wartesemestern zusammen.

Wartesemester bei zulassungsbeschränkte Studiengänge 

Mit Wartesemestern kannst du deine Abiturnote ausgleichen, wenn diese den Zugang zu einem zulassungsbeschränkten Studiengang verhindert. Bei zulassungsbeschränkten Studien gilt ein bestimmter Numerus Clausus (NC), der die Zulassung ermöglicht. 

Zulassungsbeschränkte Studiengänge in Deutschland:

  • Medizin
  • Tiermedizin
  • Pharmazie
  • Zahnmedizin 

Was ist der Numerus Clausus?

Häufig wird der Numerus Clausus (NC) mit der Durchschnittsnote im Abitur gleichgesetzt, doch eigentlich bedeutet der Begriff etwas anderes. Numerus Clausus kommt aus dem lateinischen und bedeutet „begrenzte Zahl“. Damit ist die begrenzte Anzahl an freien Studienplätzen in einem Studiengang gemeint. 

Vergabe der Studienplätze nach Durchschnittsnote im Abi

Die Studienplätze mit NC werden nach mehreren Kriterien an die Bewerber verteilt, wobei die Abiturnote ausschlaggebend ist. Die Hochschulen erstellen eine Liste mit den Bewerbern und ihren Noten und arbeiten diese von oben nach unten ab.

Abinote entscheidet über Studienplatz

Hast du eine sehr gute Abiturnote wirst du oben auf der Liste stehen und mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit einen Platz bekommen. Hast du hingegen eine nicht so gute Abiturnote findest du dich eher in der Mitte oder am Ende der Liste. Maßgeblich für den NC ist der Bewerber, der den letzten Studienplatz bekommt. Jedes Jahr wird der NC neu ermittelt, sodass sich dieser von Jahr zu Jahr verändert.

Der NC bezeichnet also die Abiturdurchschnittsnote des schlechtesten Bewerbers, welcher noch einen Studienplatz ergattert hat. Bist du vom aktuellen NC ausgeschlossen, kannst du durch Wartesemester eine unzureichende Abiturnote quasi ausgleichen. 

Beispiel für die Berechnung des Numerus Clausus

  • Liegt der NC zum Beispiel bei 2,4 in einem Studiengang, hatte der letzte zugelassene Bewerber eine Abiturnote von 2,4. 
  • Jeder Bewerber mit einer Durchschnittsnote von 2,4 im Abi oder besser hat sehr gute Chancen auf einen Studienplatz.
  • Bewerber mit einer schlechteren Abiturnote haben keine guten Chancen auf einen Platz.

In welcher Abhängigkeit steht der NC?

Der NC kann nicht im Voraus bestimmt werden, da dieser an die Anzahl der Studienplätze und der Bewerber gebunden ist. Besteht eine geringere Nachfrage, kann sich dieses auch auf den NC auswirken. Du kannst aber den NC des letzten Semesters als Anhaltspunkt nutzen.

Studienplatzvergabe: Welche Kriterien nehmen Einfluss?

Abiturdurchschnittsnote

  • Die ersten 20 Prozent der freien Studienplätze werden an die besten Bewerber vergeben.
  • Bei den Abiturienten mit einer Note von 1,0 wird angefangen bis hin zum letzten Kandidaten.
  • Die Studienplatzvergabe erfolgt anhand der Abiturnote: Die Bewerber mit den besten Noten werden bevorzugt.

Wartesemester

  • Weitere 20 Prozent der Studienplätze werden aufgrund der Wartesemester vergeben.
  • Für einige Studiengänge musst du einige Wartesemester einplanen, bevor du mit dem Studium beginnen kannst. 

Freie Vergabe der Hochschule

  • Die restlichen 60 Prozent der Studienplätze werden anhand individueller Kriterien verteilt.
  • Diese Kriterien werden von den Hochschulen selbst festgelegt und können sich von Hochschule zu Hochschule unterscheiden.
  • Zum Beispiel kann eine bestimmte Sprachkenntnis oder Berufserfahrung als Kriterium gelten. 

Wie viele Wartesemester sind für das Studium notwendig?

Nach einigen Wartesemestern stellst du dir vielleicht die Frage, wie lange du noch auf dein Wunschstudium warten musst. Und wie viele Wartesemester nicht notwendig sind. Doch leider lässt sich das nicht pauschal beantworte. Sicherlich kannst du anhand deiner Abiturnote einschätzen, ob es sich um ein bis zwei Jahre warten handelt oder gar um mehrere Jahre. 

Hast du etwa eine 2,3 und möchtest ein zulassungsbeschränkten Studiengang mit einem NC von 1,6 besuchen, kann es einige Jahre dauern. Hingegen hat ein Abiturient mit der Durchschnittsnote 1,8 bessere Chancen, einen Platz in kürzerer Zeit zu bekommen. Weiterhin vermindern sich deine Chancen, wenn es viele Bewerber gibt, welche bereits mehr Wartesemester vorweisen können.

Praktikum und Co: Die Wartezeit sinnvoll nutzen

Auch wenn dein eigentliches Ziel das Studium ist, solltest du die Wartesemester nicht vergeuden. Es bleibt genügend Zeit bereits berufliche Erfahrungen zu sammeln, Geld zu verdienen oder die Welt zu entdecken.

Auslandszeit: Während der Wartezeit kannst du die Welt entdecken und dafür verschiedene Angebote nutzen. Von Work an Travel über Au Pair bis hin zum Auslandspraktikum. 

Weiterbildung: Du kannst die Wartezeit nutzen, indem du dich in bestimmten Bereichen ausbildest und zum Beispiel eine Ausbildung absolvierst. So könntest du mit dem Wunsch nach einem Medizinstudium zunächst eine Ausbildung im Gesundheitswesen abschließen.

Praktikum: Mit einem Praktikum kannst du berufliche Erfahrung sammeln und unter Umständen erstes Geld verdienen. Vielleicht entdeckst du dadurch neue berufliche Perspektiven und Möglichkeiten. Du kannst ein Jahrespraktikum absolvieren oder mehrere Praktika in einem Jahr machen. 

Warten auf das Studium: Sind Wartesemester sinnvoll?

In einigen Fällen ist die Wartezeit so enorm, dass sich viele junge Menschen gegen den ursprünglichen Karriereplan entscheiden und Alternativen aufgreifen. Einige Abiturienten müssen jahrelang warten, bis sie das gewünschte Studium aufgrund von ausreichend Wartesemestern beginnen können. 

Die hohe Anzahl an Wartesemester, insbesondere für ein Medizinstudium, steht in vielerlei Hinsichten in der Kritik. Deshalb wird über eine Abschaffung der Wartezeitquote debattiert. Überleg dir gut, wie du die Wartezeit verbringst und ob sich das Warten am Ende lohnt. Hast du eine zu schlechte Abiturnote solltest du dir Studiengänge mit einem sehr hohen NC aus dem Kopf schlagen, deine Chancen auf einen Studienplatz sind gleich null. 

Das bedeutet nicht, dass du in der Branche nicht beruflich durchstarten solltest, jedoch ist vielleicht ein anderer Weg zum Ziel angebracht. Denk dran, es gibt viele Wege und Möglichkeiten, die dich zum Ziel bringen.

Bild: Anastasia Klingsiek
Anastasia Klingsiek (31 Artikel)

Anastasia Klingsiek hat Germanistische Sprachwissenschaften und Literaturwissenschaften in Paderborn studiert. Während ihres Studiums hat sie bereits in journalistischen Redaktionen als freie Mitarbeiterin gearbeitet. Moderationen, Nachrichten und Artikel: alles kein Problem. Texten war schon immer ihre Leidenschaft. Auf praktikumsstellen.de ist sie für den Bereich rund um Berufseinstieg, Büroalltag und Work-Life-Balance zuständig.

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