praktikumsstellen.de Ratgeber Mindestlohn im Praktikum: Wann hast du Anspruch?

Mindestlohn im Praktikum: Wann hast du Anspruch?

Mindestlohn im Praktikum: Wann hast du Anspruch?
© Dean Drobot | shutterstock.com
Inhalt:
  1. Der Mindestlohn im Überblick
  2. Wann erhältst du keinen Mindestlohn?
    1. Du hast keinen Anspruch auf Mindestlohn, wenn du...
  3. 4 Kriterien: So hast du im Praktikum Anspruch auf den Mindestlohn
    1. 1. Kriterium: Du musst mindestens 18 Jahre sein 
    2. 2. Kriterium: Das Praktikum dauert länger als drei Monate
    3. 3. Kriterium: Es muss sich um ein freiwilliges Praktikum handeln
    4. 4. Kriterium: Das Praktikum findet in Deutschland statt
  4. Vorteile vom Mindestlohn im Praktikum 
    1. Für den Arbeitgeber
    2. Für Praktikanten
  5. Nachteile vom Mindestlohn im Praktikum
    1. Für Arbeitgeber
    2. Für Praktikanten

Der Mindestlohn soll Arbeitnehmern Sicherheit geben und garantieren, dass jeder Arbeitnehmer mindestens einen bestimmten Lohn pro Arbeitsstunde erhält. Die gute Nachricht ist, dass der Mindestlohn nicht nur im Job gilt, sondern auch im Praktikum. Seit Januar 2019 erhält jeder Arbeitnehmer in Deutschland für seine Arbeit mindestens 9,19 Euro pro Stunde. Der Haken an der Sache: Nicht alle Praktikanten werden mit dem Mindestlohn bezahlt. Erfahre hier, wann der Mindestlohn im Praktikum gilt.

Der Mindestlohn im Überblick

Seit 2015 muss in Deutschland an alle Arbeitnehmer ein Mindestlohn gezahlt werden. Dadurch soll verhindert werden, dass Beschäftigte trotz Vollzeitjob nicht von ihrem Einkommen leben können. Seit Januar 2019 beträgt der Mindestlohn 9,19 Euro pro Stunde

So kommt ein Arbeitnehmer bei einer 40-Stunden-Woche auf ein monatliches Brutto-Gehalt von mehr als 1.400 Euro. Generell gilt der Mindestlohn für alle Arbeitnehmer über 18 Jahre

Auch als Praktikant hast du einen Anspruch auf den Mindestlohn, jedoch wird dieser nicht in jedem Praktikum ausgezahlt. Nur unter bestimmten Voraussetzungen erhältst du als Praktikant den festgelegten Stundenlohn. 

Wann erhältst du keinen Mindestlohn?

Nicht jede Tätigkeit wird mit dem Mindestlohn vergütet, so hast du trotz Arbeit nicht immer das Recht auf die festgelegte Mindestvergütung pro Stunde. Dennoch gilt, dass Arbeitnehmer generell den Mindestlohn erhalten, solange die Voraussetzungen erfüllt werden.

Du hast keinen Anspruch auf Mindestlohn, wenn du...

  • dich in einer Ausbildung nach dem Berufsbildungsgesetz befindest.
  • du einen freiwilligen Dienst ableistest.
  • du ehrenamtlich tätig bist.
  • an einer Maßnahme der Arbeitsförderung teilnimmst.
  • selbstständig bist.
  • nach dem Heimarbeitergesetz tätig bist.

4 Kriterien: So hast du im Praktikum Anspruch auf den Mindestlohn

Nicht in jedem Praktikum wird dir eine Vergütung gezahlt und nicht in jedem Praktikum hast du das Recht auf den Mindestlohn. Unter bestimmten Voraussetzungen kannst du für deine Arbeit als Praktikant den Mindestlohn erhalten.

Anspruch auf Mindestlohn im Praktikum:

1. Kriterium: Du musst mindestens 18 Jahre sein 

Damit du überhaupt einen Anspruch hast, musst du 18 Jahre alt sein. Denn, der Mindestlohn gilt in der Regel nur für Erwachsene. Bist du noch Minderjährig und hast bereits eine Berufsausbildung abgeschlossen sieht das Ganze wieder anders aus: Dann hast du auch als unter 18-jähriger Praktikant ein Recht auf die 9,19 Euro pro Stunde. Sofern dein Praktikum die weiteren Kriterien erfüllt. 

Die Maßnahme Ü18 soll verhindern, dass Minderjährige aufgrund des vergleichsweise hohen Lohns im Praktikum auf eine Berufsausbildung verzichten und dieser Praktika vorzieht. Sicherlich hätte dies zunächst finanzielle Vorteile, im Vergleich zu einigen Vergütungen in der Berufsausbildung doch langfristig betrachtet ermöglicht eine abgeschlossene Berufsausbildung besserer Chancen am Arbeitsmarkt. In Zukunft sind mit einer abgeschlossenen Berufsausbildung höhere Verdienste möglich, als mit dem Mindestlohn.

2. Kriterium: Das Praktikum dauert länger als drei Monate

Dauert dein Praktikum länger als drei Monate, hast du das Recht auf den Mindestlohn. Der Grund: In der Regel trägt ein Praktikant nicht sofort zum wirtschaftlichen Erfolg des Unternehmens bei. 

Nach der Einarbeitung und der Eingewöhnung sieht das anders aus; nach drei Monaten sollte ein Praktikant in der Lage sein, das Unternehmen mit der Tätigkeit so zu unterstützen, dass dadurch zum wirtschaftlicher Gewinn beigetragen wird. Macht das Unternehmen also Plus durch die Tätigkeit des Praktikanten, wird dieser dafür quasi entlohnt. 

3. Kriterium: Es muss sich um ein freiwilliges Praktikum handeln

Wenn du ein freiwilliges Praktikum absolvierst, das länger als drei Monate dauert, bekommst du den Mindestlohn. Und das, vom ersten Praktikumstag an. Ob der Mindestlohn rückwirkend ausgezahlt wird, ist noch unklar: Falls du unerwartet dein Praktikum verlängerst und somit länger als drei Monate in dem Betrieb tätig bist.

Zu den freiwilligen Praktika zählen etwa Orientierungspraktika oder ein ausbildungs- bzw. studienbegleitendes Praktikum, das du nicht von der Universität oder Schule verpflichten durchführen musst. 

Bei einem Pflichtpraktikum besteht kein Anspruch auf den Mindestlohn, auch wenn es länger als drei Monate geht. Auch Praktika im Rahmen einer Berufsausbildungsvorbereitung oder in einer betrieblichen Einstiegsqualifizierung wird nicht mit dem Mindestlohn gezahlt. Sicherlich gibt es Betriebe und Unternehmen, die ihren Praktikanten dennoch eine Vergütung für ihre Leistungen und Tätigkeiten auszahlen.

4. Kriterium: Das Praktikum findet in Deutschland statt

Du hast nur den gesetzlichen Anspruch auf Mindestlohn, wenn dein Praktikum in Deutschland stattfindest. Möchtest du ein Auslandspraktikum machen? Dann informier dich vorab über mögliche finanzielle Unterstützung, Stipendien oder die Bezahlung vor Ort. 

Ausnahme für den Mindestlohn im Ausland:

Unter Umständen kannst du dennoch den Mindestlohn im Ausland erhalten. Dafür müssen einige Voraussetzungen eingehalten werden. So muss es sich bei dem Praktikum im Ausland um ein freiwilliges Praktikum handeln, das länger als drei Monate dauert und in welchem ein Vertrag nach deutschem Recht abgeschlossen wird. 

Beispiel für ein Praktikum im Ausland mit Mindestlohn:

Ein Praktikum in einem deutschen Unternehmen mit einer Niederlassung im Ausland.

Vorteile vom Mindestlohn im Praktikum 

Für den Arbeitgeber

  • Für einige Arbeitgeber, besonders größere Unternehmen, ändert sich nicht wirklich viel, da diese oft schon vor der Einführung des Mindestlohns im Jahr 2015 ihren Praktikanten einen gewissen Lohn zahlten. 
  • Der Mindestlohn wirkt sich positiv auf die Arbeitsmoral und Motivation der Praktikanten aus.
  • Angebot an Praktikanten wächst und Arbeitgeber haben eine größere Auswahl. 
  • Qualifizierte Kandidaten melden sich, da sich diese nicht mehr für eine geringe Bezahlung abrackern müssen. 

Für Praktikanten

  • Praktikanten müssen bei einem längeren Praktikum aufgrund von der finanziellen Situation nicht auf dieses verzichten.
  • Das Risiko von finanzieller Ausbeutung durch das Unternehmen sinkt
  • Es existiert unter bestimmten Voraussetzungen ein fester Zahlungssatz, den Praktikanten mindestens erhalten.

Nachteile vom Mindestlohn im Praktikum

Für Arbeitgeber

  • Leider gibt es Unternehmen, die seit der Einführung des Mindestlohns Praktikanten für die Dauer von mehr als drei Monaten nicht mehr annehmen können. Besonders kleinere Unternehmen können sich die Praktikanten nicht leisten und leiden unter dem Mindestlohn.
  • Generell erwarten heutzutage viele Praktikanten eine Vergütung, auch ohne den Anspruch auf Mindestlohn. Mit dem Konkurrenzkampf und Konkurrenzdruck zwischen den Unternehmen ist es vor allem für kleiner Betrieb schwierig, sich gegen die großen Unternehmen durchzusetzen.
  • Mindestlohn bedeutet unter Umständen Mehrarbeit im Betrieb für die normalen Arbeitnehmer, da einige Unternehmen versuchen den Mindestlohn zu umgehen. Praktikanten werden nicht über einen Zeitraum von drei Monaten eingestellt, so wird der Anspruch auf Mindestlohn umgangen. Dadurch findet ein ständiger Wechsel an Praktikanten statt, ständige Einarbeitung der Praktikanten und ein ständig wechselnder Arbeitnehmerstand. Das kostet Geld, Zeit und Nerven.
  • Höherer Aufwand durch den Mindestlohn, da Unternehmen die Arbeitszeiten der Praktikanten protokollieren müssen. Der Arbeitgeber muss bei einer möglichen Kontrolle die Arbeitsstunden und Zeiten nachweisen können.

Für Praktikanten

  • Häufige Zurückweisung von Praktikanten, die sich für ein freiwilliges Praktikum melden, trotz guter Qualifikationen. So werden Pflichtpraktika bevorzugt, da dort kein Anspruch auf Mindestlohn besteht.
  • Die Auswahl an Praktikumsplätzen sinkt, da sich einige Unternehmen die Beschäftigung auf Mindestlohn finanziell nicht leisten können.
  • Unternehmen können den Mindestlohn umgehen, fraglich ist also, ob sich der Mindestlohn für Praktikanten überhaupt rentiert. 
  • Durch den Mindestlohn versuchen einige Unternehmen nur Praktikanten für weniger als drei Monate anzunehmen. Viele Arbeitgeber erwarten heutzutage für eine Festanstellung Berufserfahrung, welche sich die Mehrheit junger Menschen durch Praktika erarbeitet. Im Lebenslauf wirken ständig wechselnde Praktika sprunghaft und negativ auf den Betroffenen. Der Fehler liegt jedoch bei den Betrieben, die den Mindestlohn umgehen.
  • Praktikanten büßen einiges an Erfahrung, wenn das Praktikum aufgrund der Umgehung des Mindestlohns lediglich maximal drei Monate stattfindet.

In Bezug auf den Mindestlohn kannst du dir also bei einem Praktikum, dass länger als drei Monate geht und weder von einer Hochschule noch Universität oder anderen Institutionen verpflichtende ist, sicher sein. 

Bist du dir generell unsicher, ob du eine Vergütung erhältst oder nicht, solltest du das bereits während des Vorstellungsgesprächs ansprechen. Die Bezahlung während eines Praktikums sollte im Vertrag festgehalten werden. Das Team von praktikumsstellen.de wünscht dir viel Erfolg in deinem Praktikum. Vielleicht erhähltst du ja auch ohne Mindeslohn-Anspruch eine kleine Vergütung für deine Leistungen. Viel Glück!

Bild: Anastasia Klingsiek
Anastasia Klingsiek (24 Artikel)

Anastasia Klingsiek hat Germanistische Sprachwissenschaften und Literaturwissenschaften in Paderborn studiert. Während ihres Studiums hat sie bereits in journalistischen Redaktionen als freie Mitarbeiterin gearbeitet. Moderationen, Nachrichten und Artikel: alles kein Problem. Texten war schon immer ihre Leidenschaft. Auf praktikumsstellen.de ist sie für den Bereich rund um Berufseinstieg, Büroalltag und Work-Life-Balance zuständig.

Letzte Artikel
Ähnliche Artikel
Programmierung: Praktikum im Bereich Softwareentwicklung
© McIek | shutterstock.com
Programmierung: Praktikum im Bereich Softwareentwicklung

Du hast genug von der trockenen Theorie und kannst es kaum abwarten, deine cleveren und kreativen Ideen in der Praxis ins Leben zu rufen? Du hast das Zeug dazu, aus...

Die Frage nach den Stärken und Schwächen: So findest du die passende Antwort im Vorstellungsgespräch!
© g-stockstudio | shutterstock.com
Die Frage nach den Stärken und Schwächen: So findest du...

Was sind deine größten Stärken und Schwächen? Ein Klassiker unter den Fragen, mit denen ein Bewerber in einem Vorstellungsgespräch rechnen...

Tipps für Praktikanten - So gehst Du richtig mit Kritik am Arbeitsplatz um
© goodluz / shutterstock.com
Tipps für Praktikanten - So gehst Du richtig mit Kritik...

Als Praktikant bist du ein Berufsanfänger . Dass du da noch nicht alles perfekt machen kannst, ist klar. Blöd nur, wenn es ständig Kritik hagelt....


Praktikumsplätze finden leicht gemacht!

Auf praktikumsstellen.de findest Du täglich aktuelle Praktikumsstellen aus Deiner Umgebung.