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Jugendarbeitsschutzgesetz (JArbSchG): Das sind deine Arbeitsrechte als Jugendlicher

Jugendarbeitsschutzgesetz (JArbSchG): Das sind deine Arbeitsrechte als Jugendlicher
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Inhalt:
  1. Warum gibt es das JArbSchG?
    1. Das JArbSchG regelt:
  2. Bist Du schon Jugendlicher oder noch Kind?
  3. Geltungsbereich des Jugendarbeitsschutzgesetz
  4. Arbeitszeiten nach dem Jugendarbeitsschutzgesetz
    1. Sonderregelung in der Landwirtschaft (§ 8 JArbSchG)
  5. Arbeitsbeginn für Jugendliche
  6. Ruhepausen: Das Recht auf Pause bei Jugendlichen
  7. Urlaub für Jugendliche nach dem Jugendarbeitsschutzgesetz
    1. Urlaubsregelung Jugendlicher einer 6-Tage-Woche:
    2. Urlaubsregelung Jugendlicher einer 5-Tage-Woche:
  8. JArbSchG: Schutz vor gefährlichen Arbeiten und Beschäftigungen
  9. Pflicht des Arbeitgebers: Den Jugendlichen ausreichend unterweisen und gesundheitlich betreuen
  10. Verstöße gegen das JArbSchG und ihre Folgen

Das Jugendarbeitsschutzgesetz schützt Jugendliche in der Arbeitswelt und auch während eines Praktikums. Diese Vorgaben schützen Jugendliche unter 18 bei der Arbeit und verhindert, dass junge Menschen aufgrund von Unwissenheit und Unerfahrenheit ausgenutzt werden. Sicherlich hast Du einige Fragen rund um das JarbSchG: Welche Besonderheiten gelten für Kinder und Jugendliche im Arbeitsrecht? Was für Rechte und Pflichten haben junge Menschen im Berufsleben? Hier erfährst Du alles über das Jugendarbeitsschutzgesetz und die gesetzlichen Regelungen der Arbeitswelt.

Warum gibt es das JArbSchG?

Das Jugendarbeitsschutzgesetz (JArbSchG) dient zum Schutz junger und unerfahrener Menschen in der Berufswelt, denn diese sind den Anforderungen der Arbeitswelt oft noch nicht gewachsen. Das ist keine Schande und logisch, denn als Jugendlicher fehlt dir die notwendige Erfahrung. Damit Du nicht ausgenutzt wirst und erfährst, welche Rechte und Pflichten Du hast, gibt es das Jugendarbeitsschutzgesetz. Es schützt dich vor einer Überforderung am Arbeitsplatz. Somit bildet das Jugendarbeitsschutzgesetz und die Kinderarbeitsschutzverordnung einen rechtlichen Rahmen, um junge Menschen vor den Gefahren am Arbeitsplatz sowie vor Überforderung und starker Belastung zu schützen.

Das JArbSchG regelt:

  • die erlaubte Arbeitszeit;
  • ob und wann Mehrarbeit rechtens ist;
  • den Verbot von Akkordarbeit
  • Freizeit, Ruhe- und Nachtpausen;
  • den Urlaubsanspruch;
  • die Freistellung für Berufsschule und Prüfungen (während einer Ausbildung unter 18)
  • was als gefährliche Arbeiten für Kinder und Jugendliche gilt.

Bist Du schon Jugendlicher oder noch Kind?

Gesetzlich wird zwischen Kind und Jugendlicher anhand des Alters unterschieden. Vor dem Gesetzt giltst Du als Kind, wenn Du noch nicht 15 Jahre alt bist. Bist Du bereits 15 Jahre, aber noch keine 18 Jahre, also volljährig, dann bist Du ein Jugendlicher.

Geltungsbereich des Jugendarbeitsschutzgesetz

Das JarbSchG gilt in Deutschland für alle bezahlten Beschäftigungen, die Ausbildung und Praktika. Die Bedingung dafür ist immer, dass Du noch unter 18 Jahren bist. Jedoch gibt es auch Nischen, sogenannte Ausnahmefälle und Sonderegeln, sodass die Regelungen des Jugendarbeitsschutzgesetzt umgangen werden können, so gibt es etwa bestimmte Arbeiten, die nicht unter das Gesetz fallen. So sind geringfügige Hilfeleistungen nicht mit dem JarbSchG abgedeckt, dazu zählt etwa die Hilfe im Haushalt oder beim Renovieren, sowie Einkäufe für den älteren Nachbarn zu tragen. Betroffene Personengruppen des JArbSchG sind alle Personen, die noch nicht 18 Jahre alt sind. 

Kinderarbeit ist grundsätzlich verboten (§ 5 JArbSchG), jedoch gibt es einige Ausnahmen von diesem Verbot:

  • So dürfen Kinder etwa im Rahmen eines Betriebspraktikums beschäftigt werden,
  • Schüler ab 15 Jahren dürfen in den Ferien für vier Wochen pro Kalenderjahr jobben, jedoch nicht mehr,
  • Kinder über 13 Jahre dürfen leichte Arbeiten verrichten, wenn die Eltern zustimmen und die tägliche Arbeitszeit nicht mehr als zwei Stunden ist,
  • Sollen Kinder bei Konzerten, im Theater oder bei ähnlichen Veranstaltungen mitwirken, ist eine besondere Ausnahmegenehmigung notwendig.

Arbeitszeiten nach dem Jugendarbeitsschutzgesetz

Die Regelung der Arbeitszeiten durch das JArbSchG ist einer der Hauptaufgaben. Als tägliche Arbeitszeit ist die Zeit vom Beginn der Beschäftigung bis zu ihrem Ende zu verstehen. Dazu zählen keine Ruhepausen und in der Regel auch keine Fahrtzeiten. Jedoch ist der Weg vom Unternehmen (Arbeitsplatz 1) zu einem anderen Bereich (Arbeitsplatz 2) immer als Arbeitszeit anzurechnen. Auch wenn deine Arbeit morgens nicht im Betrieb beginnt, sondern etwa auf einer Baustelle, wird diese Anfahrtzeit als Arbeitszeit angerechnet, wenn diese länger als der gewöhnliche Anfahrtsweg zum Unternehmen dauert.   

Absolute Obergrenze für die Arbeitszeit von Jugendlichen ist die 40-Stunden-Woche. Somit darf ein Arbeitstag maximal 8 Stunden dauern, Überstunden sind nach dem JArbSchG für minderjährige Beschäftigte verboten. Jedoch ist es erlaubt, wenn Du über die Woche verteilt etwas länger arbeitest und am Freitag dementsprechend deine Arbeitszeit verkürzt. So kannst Du früher ins Wochenende starten und kannst den Genuss der Gleitzeit kosten. Auch sogenannte Brückentage können für Abweichungen in den Arbeitszeiten sorgen, ist das Unternehmen etwa an einem Freitag geschlossen, weil Donnerstag Feiertag ist, dann darf die ausgefallene Arbeitszeit vor- oder nachgearbeitet werden.

Sonderregelung in der Landwirtschaft (§ 8 JArbSchG)

Bist Du über 16 Jahre und in der Landwirtschaft tätig, dann darfst Du bis zu 9 Stunden pro Tag arbeiten. So sind 85 Stunden pro Doppelwoche zulässig. 

Arbeitsbeginn für Jugendliche

Nicht nur die täglichen Arbeitsstunden sind im JArbSchG geregelt, sondern auch die Uhrzeit für den frühesten Arbeitsbeginn und die maximale Uhrzeit für das Arbeitsende. So dürfen Jugendliche frühestens um sechs Uhr mit ihrer Tätigkeit beginnen und spätestens um 20 Uhr die Arbeit beenden (§ 14 Abs. 1 JArbSchG). Laut §13 JArbSchG müssen zwischen Feierabend und dem Arbeitsbeginn am nächsten Tag mindestens 12 Stunden ohne Arbeit liegen. Für diese Regelung gibt es wiederum Ausnahmen, da diese Arbeitszeiten nicht in jeder Berufsbranche eingehalten werden können. So ist der früheste Arbeitsbeginn in einer Bäckerei mit 16 Jahren um 5 Uhr und mit 17 Jahren um 4 Uhr. 

Ruhepausen: Das Recht auf Pause bei Jugendlichen

Einen Anspruch auf Ruhepausen während der Arbeit haben auch Erwachsene, jedoch gelten für Kinder und Jugendliche spezielle Grenzbereiche. Beträgt der Beschäftigungszeitraum täglich mehr als 4,5 Stunden, so dürfen insgesamt 30 Minuten Pause in Anspruch genommen werden. Arbeitet ein Jugendlicher länger als sechs Stunden, sind insgesamt 60 Minuten Pause notwendig. 
Die erste Pause muss immer nach 4,5 Stunden eingelegt werden, dabei muss jede Pause mindestens eine viertel Stunde dauern. Diese Regelungen können durch Tarifverträge abweichen und auch Notfälle können die arbeitsrechtlichen Reglungen des Jugendarbeitsschutzgesetzes außer Kraft setzten.

Urlaub für Jugendliche nach dem Jugendarbeitsschutzgesetz

Auch Jugendliche haben einen Anspruch auf Jahresurlaub, der sich je nach Arbeitsstunden und Alter staffelt. Bei der Berechnung des Urlaubes geht das Gesetz von einer 6-Tage-Arbeitswoche aus, wobei der Samstag ebenfalls als Werktag zählt.

Urlaubsregelung Jugendlicher einer 6-Tage-Woche:

  • 15-Jährige haben einen Anspruch auf  30 freie Werktage
  • 16-Jährige haben einen Anspruch auf  27 frei Werktage
  • 17-Jährige haben einen Anspruch auf 25 freie Werktage

Urlaubsregelung Jugendlicher einer 5-Tage-Woche:

  • Jugendliche unter 16 Jahre: 25 Werktage
  • Jugendliche unter 17 Jahre: 23 Werktage
  • Jugendliche unter 18 Jahre: 21 Werktage

JArbSchG: Schutz vor gefährlichen Arbeiten und Beschäftigungen

Das JArbSchG schützt dich als Jugendlicher nicht nur vor Ausbeutung im Rahmen von Ruhephasen und Arbeitszeiten, es definiert zusätzliche Arbeiten, die Du als Jugendlicher erst gar nicht ausüben darfst. Denn bestimmte Arbeiten bürgen Gefahren und Unfallrisiken. Dazu zählen Arbeiten, die deine Leistungsfähigkeiten übersteigen, mit besonderer Unfallgefahr verbunden sind, Arbeiten bei denen Du mit gefährlichen Arbeitsstoffen in Berührung kommst, Du außergewöhnlicher Hitze, Kälte und Nässe ausgesetzt bist sowie Beschäftigungen, bei denen Du gesundheitsschädlichem Lärm oder gefährlichen Strahlen ausgesetzt bist.

Eine schwierige Situation entsteht, wenn Du einen Ausbildungsberuf mit gefährlichen Arbeiten ausüben möchtest, denn einige Ausbildungsberufe haben nicht ganz risikoarme Arbeiten. Begegnen dir während deiner Ausbildung im jugendlichen Alter Arbeiten, die nicht ungefährlich sind, musst Du diese dennoch erlernen, sofern diese für dein Ausbildungsziel erforderlich sind. Ebenfalls ist gefährliche Arbeit für Jugendliche in Ausnahmefällen erlaubt, so etwa wenn eine fachkundige Aufsichtsperson den Schutz des Jugendlichen gewährleisten kann oder wenn Gefahrenstoffe nicht den Luftgrenzwert für gefährliche Stoffe überschreiten. 

Pflicht des Arbeitgebers: Den Jugendlichen ausreichend unterweisen und gesundheitlich betreuen

Besonders vor der Ausübung von gefährlichen Tätigkeiten steht der Arbeitgeber in der Pflicht, dich als Jugendlichen ausführlich zu unterweisen. Vor Beginn deiner Beschäftigung, egal welche Branche, musst Du über Unfall- und Gesundheitsgefahren aufgeklärt werden. Dazu gehört auch die Unterweisung für den richtigen Gebrauch von Schutzkleidung. Diese Unterweisung muss bei Jugendlichen alle sechs Monate wiederholt werden, diese Unterweisungspflicht gilt nicht nur für Jugendliche, sondern gegenüber aller Mitarbeiter. Besonders bei der Einführung von Maschinen und an gefährlichen Arbeitsstellen ist eine ausführliche Unterweisung notwendig. 

Verstöße gegen das JArbSchG und ihre Folgen

Fest steht, dass es die Regelungen für die Beschäftigung von Jugendlichen gibt, jedoch ermöglichen Sonderregelungen und Ausnahmen einen gewissen Spielraum. Damit kein Jugendlicher trotz JArbSchG  ausgenutzt wird, kannst Du dich bei Auffälligkeiten und Aussichtslosigkeit selbst an die jeweilige Aufsichtsbehörde wenden, etwa das Gewerbeaufsichtsamt oder das Amt für Arbeitsschutz. Diese Ämter überprüfen in der Regel die Einhaltung der Arbeitsbedingungen und Vorschriften für Jugendliche. Jedoch gilt immer, selbst aktiv zu werden, wenn Unstimmigkeiten auftauchen oder Du dich ungerecht behandelt fühlst.

Du musst das Jugendarbeitsschutzgesetz nicht vollständig beherrschen, jedoch hoffentlich kannst Du deine Rechten & Pflichten jetzt besser einordnen. Das Team von praktikumsstellen.de hofft, dass Du jetzt einige Grundaspekte des JArbSchG kennst und Du dich vor Ausbeutung in der Arbeitswelt schützen kannst. Lass dich nicht ausnutzen, nur weil Du jung bist, egal ob bei einer geringfügigen Beschäftigung oder während eines Praktikums. Bist Du dir unsicher ob bei deiner Beschäftigung das JArbSchG beachtet wird? Dann check noch einmal die Überschriften dieses Artikels und finde deine Antwort. Viel Glück!

Bild: Anastasia Klingsiek
Anastasia Klingsiek (16 Artikel)

Anastasia Klingsiek hat Germanistische Sprachwissenschaften und Literaturwissenschaften in Paderborn studiert. Während ihres Studiums hat sie bereits in journalistischen Redaktionen als freie Mitarbeiterin gearbeitet. Moderationen, Nachrichten und Artikel: alles kein Problem. Texten war schon immer ihre Leidenschaft. Auf praktikumsstellen.de ist sie für den Bereich rund um Berufseinstieg, Büroalltag und Work-Life-Balance zuständig.

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