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Freiwilliges oder Pflichtpraktikum?

Freiwilliges oder Pflichtpraktikum?
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Inhalt:
  1. Das freiwillige Praktikum
  2. Das Pflichtpraktikum
  3. Fazit

Der Unterschied scheint auf der Hand zu liegen, doch wie immer steckt der Teufel im Detail. Doch wie genau unterscheiden sich diese zwei Arten von Praktika?

Der Unterschied zwischen einem Pflichtpraktikum und einem freiwilligen Praktikum liegt nicht nur darin begründet, dass das eine von der Schule oder Universität vorgeschrieben ist und das andere nicht. Je nachdem, welche Form von Praktikum man ausübt, hat ein Praktikant ganz unterschiedliche Rechte.

Rechtlich gesehen unterscheiden sich diese zwei Arten des Praktikums stark voneinander. Die gesetzlichen Regelungen über Vergütung, Urlaubsanspruch oder sogar einem Arbeitszeugnis sind nicht gleich. Doch warum gibt es so unterschiedliche Regelungen? Praktikum ist doch immer gleich Praktikum, oder nicht? Hier ein paar Erklärungen zu den Unterschieden:

Das freiwillige Praktikum

Diese Form von Praktikum wird, wie der Name schon vermuten lässt, freiwillig gemacht. Du hast die Möglichkeit, nach der Schule ein Praktikum zu machen, zum Beispiel, während du auf einen Ausbildungsplatz wartest. Gleiches gilt für Studenten, die die Universität bereits abgeschlossen haben, und noch auf der Suche nach einem festen Arbeitsplatz sind. Die gängigste Form des freiwilligen Praktikums ist allerdings, es während der Ferien zu absolvieren.

Weder der Schüler/Student, noch der Praktikumsbetrieb, sind an irgendwelche Vorgaben einer Bildungseinrichtung gebunden. Es besteht bei einem freiwilligen Praktikum ein sogenanntes privatrechtliches Rechtsverhältnis.

Trotzdem gilt es, einiges zu beachten: Als freiwilliger Praktikant in einem Unternehmen, muss das Unternehmen dich laut Gesetz genauso behandeln, wie einen Auszubildenden. Dass bedeutet laut Arbeitsrecht folgendes:

  • Praktikanten haben einen Anspruch auf bezahlten Urlaub
  • Praktikanten haben ein Recht auf Vergütung
  • Praktikanten haben Anspruch auf Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall
  • Praktikanten haben das Recht auf ein Arbeitszeugnis

Ein Unternehmen, dass einen freiwilliges Praktikum anbietet, muss sich darüber im Klaren sein, dass bei dieser Art von Beschäftigungsverhältnis auch Sozialversicherungsbeträge gezahlt werden müssen. Je nachdem, wie hoch die Prakikumsvergütung ausfällt, können Beiträge zu Kranken-, Pflege-, Renten-, und Arbeitslosenversicherung anfallen.

Das Pflichtpraktikum

Diese Form von Praktikum absolvierst du nicht ganz freiwillig. Hierbei handelt es sich um Praktika, die fest in deine schulische oder akademische Ausbildung integriert sind. Sie dienen in der Regel dazu, theoretische Grundlagen praktisch anzuwenden und zu vertiefen.

Rechtlich gesehen greift bei diesem Arbeitsverhältnis nicht das Berufsbildungsgesetz, welches für Auszubildende gilt. Alle Rechte, die du während eines Pflichtpraktikums hast, stehen in deinem Praktikumsvertrag oder in der jeweiligen Schul- oder Studienordnung. Dass bedeutet arbeitsrechtlich für dich folgendes:

Als Pflichtpraktikant hast du keinen Anspruch auf eine Vergütung. Auch ein gesetzlicher Anspruch auf Mindesturlaub besteht nicht. Und im Gegensatz zum freiwilligen Praktikum hast du keinen Anspruch auf ein Arbeitszeugnis, sondern lediglich auf eine Praktikumsbescheinigung.

Da aber alle Rechte gelten, die in einem Praktikumsvertrag vereinbart wurden, ist es sinnvoll, einige dieser Punkte mit dem Unternehmen zu besprechen. Es gibt durchaus Betriebe, die auch Pflichtpraktikanten mehr Rechte zusprechen, als sie gesetzlich müssten. Der Praktikumsgeber kann zum Beispiel auf Nachfrage ein Arbeitszeugnis ausstellen oder Urlaubstage gewähren.

Anders als bei einem freiwilligen Praktikum absolvierst du ein Pflichtpraktikum im Auftrag der Schule oder Universität. Damit bleibst du auch über diese versichert. Das Unternehmen muss keine Sozialversicherungsbeträge für dich zahlen.

Da sich den Unternehmen bei dieser Form von Praktikum eher viele Vorteile bieten, und dem Praktikatnen eher Nachteile, sollte man sich vor dem Aufsetzen des Praktikumsvertrages zusammensetzen. In diesem Gespräch können dann Vereinbarungen getroffen werden, mit denen beide Parteien zufrieden sind.

Fazit

Rechtlich gesehen unterscheiden sich freiwillige Praktika stark von Pflichtpraktika. Dabei wird in beiden das gleiche Ziel verfolgt: Als Schüler oder Student möchtest du dich beruflich orientieren, Praxiserfahrungen sammeln und den Arbeitsalltag in einem Beruf kennenlernen. Egal, ob es sich um ein vorgeschriebenes Praktikum handelt oder nicht, die Aufgaben des Praktikanten bleiben die gleichen. Dass bei gleicher Tätigkeit, gleicher Anzahl an Arbeitsstunden und gleicher Qualifikation arbeitsrechtlich so große Unterschiede herrschen, ist ungerecht. Dagegen hilft nur ein: Bei einem Pflichtpraktikum die gleichen Rechte auszuhandeln, die für ein freiwilliges Praktikum gelten.  

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