praktikumsstellen.de Ratgeber Duales Studium: Karrieresprungbrett oder doppelter Stress?

Duales Studium: Karrieresprungbrett oder doppelter Stress?

Duales Studium: Karrieresprungbrett oder doppelter Stress?
© Jacob Lund | shutterstock.com
Inhalt:
  1. Duales Studium: Was ist das?
    1. Wie ist ein duales Studium aufgebaut?
  2. Welche Formen des dualen Studiums gibt es?
  3. Welche Studiengänge kann man dual studieren?
  4. Wo muss man sich für ein duales Studium bewerben und was sind die Voraussetzungen?
  5. Vorteile des dualen Studiums
  6. Nachteile des dualen Studiums
  7. Fazit: Lohnt sich ein duales Studium?

Du hast deinen Schulabschluss in der Tasche und überlegst, was du nun machen sollst? Studieren oder doch lieber eine Ausbildung machen? Bevor du dich entscheidest, solltest du dir auf jeden Fall noch eine dritte Möglichkeit genauer anschauen: das duale Studium. Was ist das überhaupt? Wie läuft es ab? Und was sind die Vor- und die Nachteile? Wir erklären es dir!

Duales Studium: Was ist das?

Der größte Kritikpunkt an einem Hochschulstudium ist oft, dass einem der Praxisbezug fehlt. Oft lernt man hoch komplexe, wissenschaftliche Theorien, die man im täglichen Arbeitsalltag aber überhaupt nicht anwenden kann. Stattdessen fehlt einem das Know-how wie man zum Beispiel in komplizierten Programmen arbeitet. Das duale Studium löst dieses Problem. Denn es verbindet ein Studium an einer Universität, Fachhochschule oder Berufsakademie mit einer Ausbildung oder Praxisphasen in einem Unternehmen. Das bedeutet, dass Absolventen eines dualen Studiums doppelt profitieren: Sie verfügen über das theoretische Wissen aus Vorlesungen und kennen bereits den Arbeitsalltag im Beruf.

Wie ist ein duales Studium aufgebaut?

Ein duales Studium zeichnet sich dadurch aus, dass sich Theorie- und Praxisphasen immer wieder abwechseln. Wie lang diese Phasen sind, ist unterschiedlich. Eine gängige Möglichkeit ist, dass die Studierenden das Semester an der Hochschule und die Semesterferien im Unternehmen verbringen. Aber auch ein Wechsel wochen- oder sogar tageweise ist möglich. Ein Beispiel: Der Studierende arbeitet von Montag bis Mittwoch im Unternehmen und besucht den Rest der Woche die Hochschule.

Wenn die dualen Studierenden gleichzeitig eine Ausbildung absolvieren, ist es auch üblich, dass zunächst nur die Ausbildung startet und das Studium erst im zweiten Jahr oder später beginnt. Eine weitere Möglichkeit ist ein Online-Studium, das bedeutet, dass die Vorlesungen von zu Hause aus verfolgt werden. Wie ein duales Studium abläuft, entscheiden in der Regel die Hochschulen in Abstimmung mit den Unternehmen. Ein duales Studium dauert in der Regel sechs bis acht Semester. Es ist aber von Studiengang zu Studiengang und von Zeitmodell zu Zeitmodell unterschiedlich.

Welche Formen des dualen Studiums gibt es?

Formen des dualen Studiums

  • Ausbildungsintegriert
  • Praxisintegriert
  • Berufsbegleitend
  • Berufsintegriert

In einem ausbildungsintegrierten dualen Studium werden quasi zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen, denn du absolvierst parallel ein Studium und eine vollständige Ausbildung. Das bedeutet, dass du am Ende auch zwei Abschlüsse hast – einen Bachelor und eine abgeschlossene Berufsausbildung. Während ihrer Studienzeit besuchen die Studierenden abwechselnd die Hochschule, ihren Ausbildungsbetrieb und die Berufsschule.

Wer ein praxisintegriertes duales Studium macht, besucht ebenfalls abwechselnd die Hochschule und ein Unternehmen. Allerdings wird nicht parallel eine richtige Besuchsausbildung absolviert. Das heißt nach Abschluss des dualen Studiums erhältst du „nur“ den Bachelorabschluss. Trotzdem lernst du in den Praxisphasen viel, denn du arbeitest quasi wie ein normaler Mitarbeiter in dem Unternehmen mit.

Ein berufsbegleitendes duales Studium richtet sich an diejenigen, die bereits im Berufsleben angekommen sind. Wer also neben seinem Vollzeitjob noch studieren möchte, kann diese Form wählen. Für das berufsintegrierte duale Studium sieht es ähnlich aus. Der Unterschied ist jedoch, dass bei dieser Form das Studium parallel zu einem Teilzeitjob stattfindet. So gibt es bei beiden Formen unterschiedliche Vorlesungszeiten. Während man bei einem berufsbegleitenden dualen Studium eher abends und am Wochenende lernen muss, finden bei einem berufsintegrierten Studium die Vorlesungen an ein bis zwei Tagen die Woche oder immer vormittags oder nachmittags statt, sodass in der freien Zeit gearbeitet werden kann.

Welche Studiengänge kann man dual studieren?

Das duale Studium wird immer beliebter. Deswegen kann man mittlerweile sehr viele Studiengänge dual absolvieren. Es gibt aber Bereiche, in denen sind duale Studiengänge üblicher als in anderen. Dazu zählen zum Beispiel:

  1. Wirtschaft (z. B. BWL-Studium und Ausbildung zum/r Industriekaufmann/frau)
  2. IT (z. B. Informatik-Studium und Ausbildung zum/r Fachinformatiker/in)
  3. Technik (z. B. Maschinenbau-Studium und Ausbildung zum/r Mechatroniker/in)
  4. Öffentlicher Dienst (z. B. duales Studium zum/r Polizeikommissar/in)

Wo muss man sich für ein duales Studium bewerben und was sind die Voraussetzungen?

Wer sich für ein duales Studium interessiert, muss zunächst einmal Stellenangebote durchforsten. Denn in der Regel bewirbt man sich bei den Unternehmen, nicht bei den Hochschulen. Wenn du die Stelle für ein duales Studium ergatterst, hast du den Studienplatz direkt sicher. Dafür kooperieren die Unternehmen mit den Hochschulen. Das bringt aber mit sich, dass die einfache Hochschulzugangsberechtigung (z. B. Abitur) nicht unbedingt ausreicht, um die begehrte Stelle zu ergattern. Wie bei der Bewerbung für einen Job spielt deine Bewerbung, insbesondere deine Noten in für das Studium relevanten Fächern, sowie dein Verhalten im Vorstellungsgespräch eine Rolle. Auf anderer Seite kannst du aufatmen: Einen NC gibt es bei dualen Studiengängen in der Regel nicht.

Vorteile des dualen Studiums

Ein duales Studium bringt einige Vorteile mit sich. Hier stellen wir dir die größten Vorteile vor.

  • Praxisnähe: Bereits während der Studienzeit kannst du eine Menge Berufserfahrung sammeln. Außerdem kannst du das im Studium gelernte direkt in der Praxis anwenden. Das verschafft dir vielleicht sogar einen Vorteil zu anderen Studierenden, denn du weißt nach deinem Studium schon wie der Hase im Beruf läuft.
  • Doppelter Abschluss: Wenn du das ausbildungsintegrierte duale Studium auswählst, kannst du in kurzer Zeit zwei Abschlüsse machen, eine Ausbildung und ein Studium. Das ist um einiges zeitsparender, als wenn du zunächst eine Ausbildung machst und anschließend studierst.
  • Gehalt: Du wirst für das Studium bezahlt! Na gut, ganz so ist es nicht. Du bekommst ein Gehalt für die Zeit, die du im Unternehmen arbeitest. Also nicht für die Zeit, die du in der Hochschule lernst. Trotzdem genießen normale Studenten diesen Vorteil nicht und müssen sich mit nervigen Nebenjobs über Wasser halten. Das bleibt dir erspart. Manchmal übernehmen sogar die Unternehmen die Studiengebühren.
  • Gute Übernahmechance: Unternehmen bieten natürlich nicht nur duale Studiengänge an, weil sie so gerne junge Leute ausbilden. Sie sind auch auf der Suche nach talentierten, neuen Mitarbeitern. Deswegen stehen die Übernahmechancen nach dem Studium gut. So gelingt der Berufseinstieg leicht.

Nachteile des dualen Studiums

Die Vorteile eines dualen Studiums klingen sehr überzeugend. Trotzdem gibt es auch einige Nachteile, die man vor einer Entscheidung, ob man so ein Studium machen möchte, auf jeden Fall berücksichtigen sollte.

  • Viel Stress und wenig Freizeit: Bei einem dualen Studium hat man eine höhere Arbeitsbelastung als bei einem normalen Vollzeitstudium. Während andere Studenten ihre Semesterferien genießen, musst du arbeiten oder sogar in die Berufsschule. Außerdem musst du mehren „Baustellen“ gleichzeitig gerecht werden. Da ist mehr Stress vorprogrammiert und deine Freizeit wirst du etwas einstampfen müssen.
  • Wenig Wissenschaft: In einem üblichen Vollzeitstudium nimmt die Wissenschaft und Forschung eine wichtige Rolle ein. Diese kommt im dualen Studium oft zu kurz, da du direkt auf die Praxis vorbereitest wirst. Wenn du dir also vorstellen kannst, einmal an der Uni als Dozierender oder in der Forschung zu arbeiten, dann ist ein duales Studium vielleicht nicht die richtige Wahl.
  • Abbruch oder Wechsel nur schwer möglich: Es kommt häufig vor, dass man sich ein Studium anders vorgestellt hat. Wer normal in Vollzeit studiert, kann meistens unproblematisch den Studiengang wechseln oder das Studium abbrechen. Dies ist bei einem dualen Studium nicht so einfach, schließlich hast du mit einem Unternehmen einen Vertrag abgeschlossen. So kann es sein, dass ein Unternehmen die bezahlten Studiengebühren zurückverlangt, wenn du das Studium vorzeitig abbrichst.
  • Blick über den Tellerrand nicht möglich: Auch ein normales Vollzeitstudium sieht Praktika vor. Da hast du also die Chance, in verschiedene Tätigkeitsfelder oder Branchen reinzuschnuppern und so herauszufinden, wo du mal arbeiten willst. In einem dualen Studium hast du diese Freiheiten nicht, denn du absolvierst in der Regel alle Praxisphasen in demselben Unternehmen.

Fazit: Lohnt sich ein duales Studium?

Insgesamt lässt sich sagen, dass ein duales Studium eine Menge Vorteile mit sich bringt. Es kann als Karrieresprungbrett fungieren. Aber es gibt auch Nachteile, die bei deiner Entscheidung auf jeden Fall eine Rolle spielen sollten. Wichtig ist also, dass man sich vor einem dualen Studium gut über die Studieninhalte informiert und überlegt, ob sie zu den eigenen Vorstellungen passen. Wenn du allerdings bereits weißt, in welchem Bereich du später einmal arbeiten möchtest, dann kann ein duales Studium eine gute Möglichkeit sein, Theorie und Praxis zu verbinden. Und wenn du zielstrebig und fleißig bist, dann wird es dir auch gelingen, die arbeitsintensiven Phasen zu schaffen. Wenn du allerdings noch nicht sicher weißt, als was du später einmal arbeiten möchtest, dann bist du in einem normalen Studium wahrscheinlich besser aufgehoben, denn dort kannst du in verschiedene Bereiche reinschnuppern, dich so orientieren und dann zu einem späteren Zeitpunkt einen Schwerpunkt wählen.

Bild: Theresa Müller
Theresa Müller (9 Artikel)

Theresa Müller hat Journalismus im Bachelor und Kommunikationsmanagement im Master in Bielefeld studiert. Bereits während des Studiums war sie für Tageszeitungen, Zeitschriften und in verschiedenen Online-Redaktionen als freie Mitarbeiterin tätig. Auch sammelte sie bereits Erfahrungen im Marketing- und PR-Bereich. Nun arbeitet sie als Online-Redakteurin und verfasst für praktikumsstellen.de Artikel rund um die Themen Praktikumsalltag, Studium und Berufseinstieg. Schreibt sie mal gerade nicht, dann ist sie oft im Reitstall anzutreffen - hoch oben im Sattel.

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