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Dein Praktikumszeugnis - Alle wichtigen Infos und Formulierungen

Dein Praktikumszeugnis - Alle wichtigen Infos und Formulierungen
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Inhalt:
  1. Praktikanten sind Arbeitnehmer: Als solche haben sie Rechte!
    1. „Paragraph § 109 der Gewerbeordnung:
    2. Ein Praktikumszeugnis ist dein gutes Recht!
  2. Das macht ein gutes Praktikumszeugnis aus
  3. Die Einsatzbereiche des Praktikanten
  4. Die Kompetenzen des Praktikanten bewerten
  5. Die Leistungen des Praktikanten beurteilen
  6. Die Abschlussformel
  7. Hürden auf dem Weg zum Praktikumszeugnis
  8. Der Code der Personaler
  9. FAQ´s im Bezug aufs Praktikumszeugnis
  10. Fazit:

Für Schüler und Studenten stellt das Praktikum eine wichtige Phase in ihrer beruflichen Orientierung dar, weshalb schon während der Schulzeit kurze Praktika absolviert werden. Das Praktikum soll eine Verbindung herstellen zwischen dem gelernten aus der Schule und der Praxis der Arbeitswelt und eine erste Orientierung ermöglichen.

Von Natascha Neufuß

Auch im Rahmen der Bachelor- und Masterstudiengänge sind Praktika ein wichtiger Bestandteil des Studiums und daher in vielen Studiengängen ein fester Bestandteil. Das Praktikum im Studium unterscheidet sich natürlich vom Schülerpraktium: Es ist länger, detaillierter und verfügt generell über eine andere Ausrichtung. Während es beim Schülerpraktikum darum geht, einen ersten Eindruck vom Berufsleben zu bekommen und sich auszurichten, ist es im Studium eher als Karrieresprungbrett gedacht und dient auch dem Erwerb von Zusatzqualifikationen und entsprechenden Skills. Um nach dem Praktikum etwas in der Hand zu haben um dies auch nachweisen zu können, gibt es auch für ein absolviertes Praktikum ein Arbeitszeugnis: Das Praktikumszeugnis.

Praktikanten sind Arbeitnehmer: Als solche haben sie Rechte!

Wer ein Praktikum absolviert gilt als Arbeitnehmer und als solcher hat man Rechte. So steht dem Praktikanten am Ende seiner Tätigkeit ein Praktikumszeugnis zu. Manche Unternehmen versuchen sich um die Ausstellung eines solchen Dokumentes zu drücken, rein rechtlich betrachtet sind sie aber dazu verpflichtet:

„Paragraph § 109 der Gewerbeordnung:

Der Arbeitnehmer hat bei Beendigung eines Arbeitsverhältnisses Anspruch auf ein schriftliches Zeugnis.“ Das gilt auch für Praktikanten, die ja als Arbeitnehmer gelten.

Ein Praktikumszeugnis ist dein gutes Recht!

Du hast also einen gesetzlichen Anspruch auf die Ausstellung eines anständigen Praktikumszeugnisses. Gut zu wissen in diesem Kontext ist, dass man prinzipiell zwischen zwei Formen des Zeugnisses unterscheidet: Dem einfachen Zeugnis und dem qualifizierten Zeugnis.

Der Unterschied ist die Ausarbeitung des Dokumentes: Während im einfachen Zeugnis lediglich angegeben wird das du im entsprechenden Zeitraum in der Firma XYZ dein Praktikum in dem Bereich XY absolviert hast, müssen im qualifizierten Zeugnis Angaben bezüglich deiner Leistung und deinem Verhalten am Arbeitsplatz gemacht werden. Ein solches ausführliches Zeugnis steht jedem Praktikanten zu, wenn er es einfordert.

„Das einfache Zeugnis muss mindestens Angaben zu Art und Dauer der Tätigkeit enthalten. Der Arbeitnehmer kann verlangen, dass sich die Angaben darüber hinaus auf Leistung und Verhalten im Arbeitsverhältnis erstrecken, hier ist dann die Rede von einem qualifizierten Zeugnis.“

Du hast also das Recht auf deiner Seite. Dies gilt übrigens auch für den Inhalt des Zeugnisses.

Folgende Ausführungen darf dein Zeugnis nicht enthalten:

  • Beleidigende Inhalte
  • Kündigungsgrund, wenn er dich belastet statt entlastet
  • Krankheit

Auch Anschuldigungen haben in deinem Zeugnis nichts zu suchen; Handelt es sich allerdings um bewiesene Taten, so dürfen diese Erwähnung finden.

Das macht ein gutes Praktikumszeugnis aus

Die Bestandteile eines Arbeitszeugnisses sind ebenfalls im Paragraphen 109 geregelt:

  • Es muss übersichtlich und verständlich formuliert sein
  • Es soll auf Firmenpapier gedruckt sein
  • Es soll die Überschrift „Praktikumszeugnis/Arbeitszeugnis“ enthalten
  • Es soll den Namen und das Geburtsdatum des Praktikanten aufführen
  • Das Datum der Ausstellung soll enthalten sein
  • Eine Angabe über die Praktikumsdauer soll enthalten sein
  • Die Einsatzbereiche des Praktikanten sollen enthalten sein
  • Die Kompetenzen des Praktikanten sollen bewertet werden
  • Die Leistungen des Praktikanten sollen beurteilt werden
  • Eine entsprechende Abschlussformel enthalten, auf die wir unten zurückkommen
  • Die Unterschrift des Arbeitgebers enthalten und in der Regel einen Firmenstempel

Schauen wir uns im folgenden die einzelnen Punkte genauer an: Punkt eins bis sechs sollten klar sein und bedürfen meines Erachtens keiner Erläuterung. Daher starten wir bei Punkt sieben:

Die Einsatzbereiche des Praktikanten

In diesem Absatz sollte klar und deutlich sichtbar werden, welche Aufgaben du im Betrieb übernommen hast und in welche Bereiche du Einblick gewonnen hast. Ebenfalls umfasst dein Einsatzbereich die Abteilung, in der du tätig warst, sowie dein Aufgabengebiet. Hier geht es in erster Linie darum, aufzuzählen, an welchen Projekten du mitgearbeitet hast und was im Praktikum dein Tagesgeschäft war.

„Von der Formulierung her, ist es dabei sowohl in Ordnung deine Einsatzbereiche in Stichpunktform aufzuführen, als auch diese in einem fließenden Text wiederzugeben. Bei ersterer Variante ist es aber wichtig das es sich dennoch um ausformulierte Sätze handelt.“

Die Kompetenzen des Praktikanten bewerten

Die Kompetenzen des Praktikanten sollen wiedergeben, welche Fähigkeiten und Fertigkeiten mitgebracht oder im Rahmen seiner Tätigkeit erworben worden sind. Hierbei sollte der Arbeitgeber sowohl die fachlichen als auch die persönlichen Fähigkeiten des Praktikanten erwähnen und bewerten. Auch hierbei ist eine allgemeine Auflistung wenig wünschenswert, da sie nicht den vollen Umfang die Persönlichkeit des Arbeitnehmers wiedergeben. Folgende Eigenschaften sollten aufgeführt werden:

  • Das Fachwissen des Praktikanten soll dargestellt werden
  • Seine Arbeitsweise soll dargestellt werden
  • Die Auffassungsgabe, die Teamfähigkeit und die sozialen Kompetenzen soll aufgeführt werden
  • Der Grad der Selbstständigkeit soll bewertet werden
  • Das Engagement das der Praktikant im Unternehmen an den Tag gelegt, gehört ebenfalls erwähnt

Wenn du im Rahmen deines Praktikums besondere Fähigkeiten entwickelt hast, so ist dies ebenfalls anzumerken.

Die Leistungen des Praktikanten beurteilen

Dieser Punkt überschneidet sich ein wenig mit dem vorher genannten, denn auch hier geht es darum die Leistungen zu beurteilen. Hierbei geht es darum die:

  • Reale Arbeitsleistung des Praktikanten zu beurteilen
  • Seine Arbeitseffizienz zu bewerten
  • Das Engagement, mit dem die Aufgaben angegangen wurden, einzuschätzen
  • Die neuerlangten Fähigkeiten zu würdigen
  • Zuverlässigkeit, Belastbarkeit und Flexibilität verdienen hier Erwähnung

Die Abschlussformel

Der Schluss deines Zeugnisses sollte eine entsprechende Abschlussformel enthalten: In dieser bedankt sich der Arbeitgeber für die geleistete Arbeit und wünscht dir für deinen weiteren Lebensweg alles gute. Diese Dankesformel sollte unter keinem Zeugnis fehlen; fehlt der Dank, so kann man dies so werten, dass man im Unternehmen wahrscheinlich nicht vermisst werden wird. Abschließen sollte der Text mit der Unterschrift eines berechtigten Vertreters des Unternehmens. Diese Person muss nicht zwangsläufig der Geschäftsführer sein.

Hürden auf dem Weg zum Praktikumszeugnis

Wie schon oben erwähnt können sich auf dem Weg zum Zeugnis einige Stolpersteine ergeben. Das Zeugnis lässt auf sich warten oder es wurden Aufgaben vergessen aufzuführen, irgendwelche Angaben passen nicht, es kann vieles schiefgehen. Ein Tipp für alle Lagen ist erst einmal locker bleiben. In den meisten Fällen passieren Fehler aus rein menschlichen Ursachen heraus, in den wenigsten Fällen steckt eine böse Absicht dahinter; Daher, frage erst einmal freundlich nach bevor du eine härtere Gangart angehst. Ist das Zeugnis offensichtlich so verfasst dass es dir nicht zu deinem Vorteil dient, so kannst du eine Abänderung verlangen, denn wie schon oben erwähnt, haben bösartige Äußerungen und Unterstellungen nichts in deinem Zeugnis zu suchen. Auch die von Personalern gern verwendete „Geheimsprache“ ist leider zulässig. Sie werden verwendet um negative Dinge, die ja im Zeugnis nicht zulässig sind, durch die Blume mitzuteilen.

Der Code der Personaler

Sicherlich hast du bereits davon gehört, dass Personaler gern Äußerungen verwenden, die auf den ersten Blick vollkommen harmlos und vielleicht sogar gut erscheinen mögen, aber hintenrum das genaue Gegenteil bedeuten. Hier ein kurzer Überblick über die gängigsten Floskeln:

  • Stets zu unserer vollsten Zufriedenheit: Sehr gut
  • Stets zu unserer vollen Zufriedenheit: Gut
  • Zu unserer vollen Zufriedenheit: Befriedigend
  • Stets zu unserer Zufriedenheit: Durchschnittlich
  • Im Großen und Ganzen zu unserer Zufriedenheit: Sehr schlecht

FAQ´s im Bezug aufs Praktikumszeugnis

Ist es rechtens wenn mein Chef verlangt, dass ich das Zeugnis vorformuliere?

  • Ja, das ist in Ordnung. Viele Unternehmen nehmen in diesem Zusammenhang die Mitarbeit des Praktikanten oder Arbeitnehmers in Anspruch. Sollte man in die Situation geraten, so macht es Sinn sich im Internet nach Vorlagen umzuschauen und diesbezüglich zu recherchieren. Achte darauf deine Leistungen entsprechend darzustellen und bedenke die Tücken die versteckte Codierungen mitbringen können, ansonsten gilt ein selbstformuliertes Zeugnis genauso wie ein fremdformuliertes. Hauptsache es weist die Unterschrift eines dazu berechtigten Mitarbeiters auf.

Muss mein Chef selbst unterschreiben?

  • Nein, es genügt jemand der die Befugnis hat im Namen des Unternehmens zu unterschreiben.

Wie lange besteht der Anspruch auf ein Arbeits- bzw. Praktikumszeugnis?

  • Dieser Anspruch hat ein Jahr Gültigkeit, daher solltest du dich am besten frühzeitig darum kümmern!

Der Inhalt weist Fehler auf, das Datum passt nicht oder es gibt Inhaltliche Fehler oder Rechtschreibfehler: Ist der Arbeitgeber verpflichtet dies zu ändern?

  • Ja, bei Fehlern hast du das Recht auf Nachbesserung. Dies gilt aber nicht unbedingt für den Inhalt, außer es handelt sich dabei um negative Äußerungen oder Unwahrheiten wie oben besprochen.

Fazit:

Ein Praktikumszeugnis ist dein gutes Recht und du solltest darauf bestehen. Für deine weitere berufliche Qualifikation ist ein Praktikumszeugnis auch immer ein Leistungsnachweis. Darum kümmere dich frühzeitig darum eins ausgestellt zu bekommen, falls dein Unternehmen dies nicht innerhalb von ca. zwei Wochen selbst tut. Diese Zeit sollte man dem Arbeitgeber auf jeden Fall einräumen.

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