- Was heißt „Probearbeiten“ eigentlich?
- Warum Probearbeiten? – Für und Wider
- Wie du am Probetag überzeugst
- Probetag: Ja oder nein? – Ein Fazit
Eigentlich hast du dich ja nur für ein dreimonatiges Praktikum beworben und nicht für eine Festanstellung bis zur Rente, aber trotzdem sollst du erst einmal zum Probearbeiten vorbei kommen. Jetzt fragst du dich natürlich: warum? Keine Sorge du hast nichts falsch gemacht, im Gegenteil. Du bist einer von vermutlich zahlreichen Bewerbern, der für die Stelle tatsächlich infrage kommt. Zu einem Probetag eingeladen wird nämlich nur, wer zuvor im Vorstellungsgespräch überzeugen konnte. Aber wenn du gut warst, warum dann nicht gleich die Zusage? Weil viele Unternehmen den Vorteil im Arbeiten auf Probe erkannt und es darum ganz selbstverständlich in ihren üblichen Bewerbungsprozess integriert haben – auch bei Praktika. Doch nicht nur die Firma profitiert. Für dich birgt dieses Angebot ebenso ungeahnte Möglichkeiten.
Was heißt „Probearbeiten“ eigentlich?
Probearbeiten heißt, dass du dich ein oder mehrere Tage im Betrieb umsehen und vielleicht schon mal ein wenig mit anpacken sollst – unentgeltlich versteht sich. Es steht dir allerdings frei mit deinem Chef eine Vereinbarung zu treffen, damit du für deinen Aufwand zumindest einen kleinen Ausgleich erhältst. Dennoch sollte die Probearbeit nicht länger als ein bis maximal fünf Tage dauern. Aber auch wenn du nicht entlohnt wirst – entgegen der Bezeichnung geht es eigentlich gar nicht ums Arbeiten, zumindest nicht in erster Linie. Hintergrund ist vielmehr, dass dein potenzieller Arbeitgeber dich kennenlernen kann und du ihn.
Natürlich steht nirgendwo geschrieben, dass du dich nicht tatkräftig mit deinem Wissen und deiner Arbeitskraft einbringen darfst, wenn du das möchtest. Dich gleich am Probetag mit allem Neuen, beispielsweise dir noch unbekannten Computerprogrammen, vertraut zu machen ist allerdings nicht nötig, dafür ist im Praktikum noch Zeit und Gelegenheit. Und nur um die Begrifflichkeiten einmal klar voneinander zu trennen: Probearbeit hat nichts mit Probezeit zu tun. Die Probezeit startet erst mit deinem ersten richtigen Arbeitstag und dient dazu in den ersten Wochen (die genaue Dauer steht in deinem Arbeitsvertrag) für beide Seiten eine schnelle und unkomplizierte Trennung zu erleichtern, falls es doch nicht passen sollte. Ein oder mehrere Probetage hingegen sind die letzte Hürde VOR deiner Einstellung.
Warum Probearbeiten? – Für und Wider
Jetzt wirst du dich sicherlich fragen: Wo liegt denn da mein Vorteil, wenn ich kein Geld verdiene und trotzdem meine kostbare Zeit opfern soll? Der liegt auf der Hand. Dir wird sich keine bessere Gelegenheit bieten, ganz unverfänglich bei deiner potenziellen Praktikumsstelle reinzuschnuppern. Vorteile für einen Probetag sind z.B.:
- Du lernst das Unternehmen an sich, die Kollegen, aber auch die Arbeitsabläufe kennen.
- Sollst du gleich ein wenig „mit anpacken“, wird es sich bei den dir zugewiesenen Aufgaben hauptsächlich um solche handeln, mit denen du später in deinem Praktikum zu tun haben wirst. Und wieder ein wertvoller Einblick für dich.
- Außerdem bekommst du hautnah die Stimmung und Atmosphäre in der Abteilung mit. Nutze die Möglichkeit dich selbst schon einmal vorzustellen und unterhalte dich mit anderen Mitarbeitern, vor allem mit anderen Praktikanten. So erfährst du aus erster Hand, wie der Job wirklich läuft. Hör zu und schau dir an, ob dir das was du an Eindrücken sammelst gefällt und entscheide dann, ob die Praktikumsstelle für dich infrage kommt.
- Am besten schreibst du dir nach dem Probearbeiten alle Impressionen auf, positive wie negative. In einer Gegenüberstellung zeigt sich sofort, ob der Job deine Erwartungen erfüllen kann oder eher nicht. Stellst du fest das es doch nicht das Richtige für dich ist, brauchst du das Praktikum erst gar nicht anzutreten und kannst dir eine Menge Zeit und Nerven sparen.
- Nicht zuletzt verschafft dir der Schnuppertag einen Vorteil gegenüber anderen Mitbewerbern. Denn du hast die Chance dein Wissen und Können schon einmal unter Beweis zu stellen und zu zeigen, dass du gut ins Team passt.
Soweit, so gut. Nichtsdestotrotz gibt es natürlich auch Schattenseiten, die du in deine Entscheidung für oder gegen ein Probearbeiten mit einbeziehen musst. Das spricht gegen den Probetag:
- Du investierst mindestens acht bis neun Stunden deiner Zeit, eventuell mehr, und das für lau. Und wenn du Pech hast und die Stelle nicht bekommst oder merkst das du das Praktikum nicht machen möchtest, war all deine Mühe obendrein umsonst.
- Zudem musst du dir darüber im Klaren sein das dieser Tag – auch wenn du noch nichts tun und nur zuhören und zusehen musst – kein Zuckerschlecken wird. Du stehst über längere Zeit unter kritischer Beobachtung. Damit muss man erst mal klarkommen.
Wie du am Probetag überzeugst
Bevor du überhaupt zum Probearbeiten antrittst, solltest du die Rahmenbedingungen dafür – am besten schriftlich in einem Vertrag – bereits abgesteckt haben. Du musst mit deinem Chef geklärt haben, wie lange du zur Probearbeit kommen sollst, welche Abteilungen oder Stationen du durchlaufen wirst, ob du direkt Aufgaben bekommst und wie diese dann aussehen. Wenn das alles feststeht, wirst du diesem „Testlauf“ viel gelassener entgegensehen. Und das ist das Gebot der Stunde. Also mach dich nicht verrückt.
- Eine gewisse Grundnervosität ist normal. Die hat jeder in einer solchen Situation. Aber wenn du dich gut über das Unternehmen informiert hast und auf deinem Feld fit bist, läuft es meist von ganz alleine.
- Glaube an dich und deine Fähigkeiten. Wenn sie dir den Job nicht zutrauen würden, wärst du nicht da, wo du bist.
- Im Gegenzug darfst du dir deiner Sache jedoch nicht zu sicher sein. Das wirkt schnell überheblich und du läufst Gefahr, in deinem Tun nachlässig zu werden.
- Steh nicht nur still daneben. Stelle Fragen. Gehe auf deine potenziellen Kollegen zu und unterhalte dich mit ihnen. Bringe deine Ideen vor. Bloß überroll keinen mit deinem „Arbeitseifer“. Kleine Besserwisser sind selten gefragt.
- Was eigentlich nicht eigens erwähnt werden muss, weil es selbstverständlich sein sollte: Erscheine pünktlich, ausgeschlafen, motiviert und in angemessener Kleidung zu deinem Probearbeitstag. Auch Unterlagen, die von dir verlangt werden, solltest du nicht vergessen.
Probetag: Ja oder nein? – Ein Fazit
Sieh das angebotene Probearbeiten als Chance und nicht als lästiges Muss. Du kannst dir selbst viel Schererei und Zeit ersparen, wenn du schon bevor du dein Praktikum antrittst, absehen kannst, ob es sich für dich lohnen wird. Als Praktikant brauchst du normalerweise auch keine Angst davor zu haben als billige Arbeitskraft missbraucht zu werden – du kannst schlicht und einfach keinen vollwertigen Mitarbeiter mit jahrelanger Erfahrung ersetzen.
Die Vorteile haben dich überzeugt? In diesem Fall darfst du selbstverständlich gleich von dir aus einen Probetag anbieten – am Ende deines Bewerbungsschreibens oder im Vorstellungsgespräch. So sieht dein künftiger Chef gleich, wie ernst es dir mit der Sache ist. Nur eines darfst du nicht vergessen, damit sich dein Einsatz wirklich auszahlt: Hör nach dem Arbeiten auf Probe unbedingt auf dein Bauchgefühl. Das ist in diesen Fällen meist verlässlicher als der Verstand.